Können unterschiedliche Religionen gemeinsam beten? Ja, und sie sollen sogar, denn gemeinsames Beten macht gemeinsames Reden möglich. Darauf hat der Sekretär des Päpstlichen Rates für den interreligiösen Dialog, Chidi Denis Isizoh, auf dem Kirchentag in München verwiesen. Der Nigerianer hielt am Donnerstagabend einen Vortrag zum Thema „Multireligiöses Gebet – theologische und pastorale Chancen“. Die RadioVatikan-Korrespondentin Antje Dechert hat danach mit ihm gesprochen:
„Gebet ist die Affirmation des Glaubens – wenn also Gläubige unterschiedlicher Religionen zusammenkommen, ist die Frage: Zu welchem Gott beten wir? Und für was beten wir? Das zweite Problem: Religiöse Sprachen und religiöse Symbole sind unterschiedlich, haben unterschiedliche Bedeutungen. Papst Johannes Paul II. hat uns in Assisi gezeigt, wie es gehen kann: Menschen verschiedener Religionen kommen zusammen und beten gemeinsam, zwar in jeweils eigener Form und zum jeweils eigenen Gott, aber gemeinsam. Interreligiöser Dialog ist ohne ein gemeinsames Gebet nicht möglich.“ (Radio Vatikan, 14.05.2010)
Kommentar: Entscheidend ist hier die Frage, zu welchem Gott wir beten. Ist es der Gott und Vater unseres Herrn Jesus Christus? Oder ist es der Gott Muhammeds? Es wird immer wieder gesagt: Christen, Juden und Muslime glauben doch an den einen Gott. – Bei einer Dialog-Bibelarbeit auf dem Ökumenischen Kirchentag in München erklärten ein Bischof der Evangelischen Kirche aus Kassel, Prof. Martin Hein und die Islamwissenschaftlerin Ayse Basol-Gürdal aus Frankfurt am Main, Christen und Muslime beteten zum selben Gott – aber auf unterschiedliche Weise.
Zur Harmonisierung der gravierenden Unterschiede im Gottesverständnis werden gern die biblischen Stammväter bemüht. Unlängst berief sich die neue niedersächsische Sozialministerin Özkan bei ihrem Amtseid auf Abraham, Isaak und Jakob. Die obengenannte Islamwissenschaftlerin bezeichnete Noah als “gemeinsamen Stammvater” aller Menschen.
Dabei ist nach Pfarrer Eberhard Tröger, einem führenden evangelischen Islamexperten, zu beachten, dass es zwischen Bibel und Koran wesentliche Unterschiede in der Schilderung des Lebens und der Bedeutung der genannten Personen gibt. Im Koran sind die Ahnen Israels – und vor allem auch noch Ismael – zu prophetischen Verkündigern Gottes (Allahs) im Sinne Muhammeds umgedeutet worden. Sie haben nichts anderes verkündigt, als Muhammed selbst. Wegen dieser “Islamisierung” eignen sie sich nicht als Kronzeugen für ein gemeinsames Gottesverständnis von Juden, Christen und Muslimen. An der Umdeutung durch den Koran wird vielmehr gerade der Unterschied im Gottesglauben von Juden und Christen einerseits und den Muslimen andererseits deutlich. Bei genauem Hinsehen wird klar, dass das biblische und das koranische Verständnis von Gott nicht harmonisierbar sind.
Troeger fragt: Kann sich der eine Gott sowohl durch das biblische als auch durch koranische Zeugnis bekanntgemacht haben? Die Texte von Bibel und Koran schließen das aus. Nach dem Neuen Testament ist Jesus Christus das “abschließende Wort Gottes”. Deshalb können Christen den Koran nicht als Wort des einen Gottes anerkennen. Umgekehrt versteht sich der Koran als das letzte Wort Gottes (Allahs), das die biblischen Aussagen korrigiert und überbietet. Deshalb erkennen Muslime nur einen Bruchteil der biblischen Aussagen an (“die Juden haben das Alte Testament, und die Christen das Neue Testament gefälscht”). Die Frage nach der letzten Wahrheit kann nicht durch oberflächliche Harmonisierungen beantwortet werden! Wenn Bibel und Koran ernst genommen werden, kann der Gott Israels und Vater von Jesus Christus nicht der Allah Muhammeds und des Koran sein.
Meine Ergänzung: Muhammed soll die Koran-Offenbarungen vom Erzengel Gabriel erhalten haben. Ist es der gleiche Engel, der zur Jungfrau Maria kam und den Sohn Gottes ankündigte? Wer war dieser “Engel”, der dem Muhammed sagte, dass Gott keinen Sohn habe und dass Jesus nicht am Kreuz gestorben sei? Kann sich der eine Gott so diametral widersprechen? – Heinz Josef Ernst
