Gebetsaufruf für Christen in der Türkei und Eritrea

Türkei. Wie ideaSpektrum in der Ausgabe vom 5. Mai 2010 berichtet, sieht sich der Pastor der evangelischen Agape-Gemeinde in der türkischen Großstadt Samsun am Schwarzen Meer, Orhan Picaklar, Todesdrohungen ausgesetzt. Der Rat der Evangelischen Kirchen in der Türkei habe ihn telefonisch informiert, dass Terroristen offenbar seine Ermordung planten. - Seit der Ermordung von drei türkischen Christen in Malatya (April 2007) steht Picaklar unter Polizeischutz.

In einem Gebetsaufruf an die Europäische Baptistische Föderation (Prag) erinnert er daran, dass in der Vergangenheit ein Mordanschlag auf ihn gescheitert war. Er war einst Muslim. Durch die Lektüre des Johannes-Evangeliums wurde er Christ. Dies wurde ihm zugeschickt, nachdem er auf eine entsprechende Zeitungsanzeige reagiert hatte.

Eritrea: Wie die CSI berichtet, verlangt das Regime offiziell, dass sämtlicher ausländische Beistand für Religionsgemeinschaften eingestellt werden müsse. Die Regierung will alles, was mit Religion zu tun hat, scharf kontrollieren. Dabei wird gegen Christen aus Freikirchen vorgegangen. Hana Asgedom, einer von über 2000 inhaftierten Christen, starb aufgrund seiner in der Haft erlittenen Misshandlungen.

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Papst Benedikt als Fatima-Pilger und Missionar

Nicht die Kirche hat Fatima eingesetzt, Fatima selbst hat zur Kirche gefunden. Das hat Papst Benedikt XVI. gleich zu Beginn seiner Portugal-Reise auf dem Flughafen von Lissabon unterstrichen. In seiner Ansprache betonte er, dass er seinen Besuch vor allem als Fatima-Pilger angetreten habe.

„Die Jungfrau ist vom Himmel herab gekommen, um uns an die Wahrheit des Evangeliums zu erinnern, das für Humanität steht. Denn ohne die Liebe und die Hoffnung auf Rettung würde jede Quelle der Hoffnung versiegen. Diese Hoffnung ist nicht zuerst horizontaler, sondern ganz entschieden vertikaler und transzendentaler Natur. Die Beziehung zu Gott ist bestimmend für den Menschen, der von Gott geschaffen und auf ihn hingeordnet ist. Mit seinem Verstand sucht er die Wahrheit, in seinem Wollen strebt er nach dem Guten und von der ästhetischen Dimension des Schönen ist er angezogen. Je nach dem, wie sehr wir uns der Fülle des Lebens und der Weisheit öffnen, die Jesus Christus für uns ist, erweist sich unser Bewusstsein demnach als christlich.“

Die Trennung von Staat und Kirche vor 100 Jahren, hätte für die Kirche in Portugal nicht nur eine große Herausforderung bedeutet, sondern ihr auch neue Spielräume eröffnet.

 „In einem pluralen System mit verschiedenen Wertvorstellungen und ethischen Ausrichtungen zu leben, bedeutet eine Reise zum Innersten der eigenen Identität und dem Kern des Christentums. So erstarkt wieder die Bedeutung des Glaubenszeugnisses und der Ruf der Mission, bis hin zur radikalsten Form im Martyrium.“ – Quelle: Radio Vatikan

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Gefangene des Monats Mai 2010

Als „Gefangene des Monats Mai“ haben die Internationale Gesellschaft für Menschenrechte (IGFM) und die Evangelische Nachrichtenagentur idea den iranischen Pastor Hamid Shafiee und seine Ehefrau Reyhaneh Aghajari benannt und zur Unterstützung für sie aufgerufen. Die beiden Christen waren am 28. Februar in ihrem Haus in Isfahan von 20 Polizisten verhaftet und in Handschellen abgeführt worden. Nach Angaben der Nachrichtenagentur Farsi Christian News Network (FCNN) ist das Ehepaar vor etwa 15 Jahren vom Islam zum Christentum übergetreten und bereits mehrfach von den Behörden schikaniert worden. Pastor Shafiee leitet eine Hausgemeinde ehemaliger Muslime.

Als die Familie des Ehepaares wegen der Verhaftung beim Justizministerium nachfragte, hieß es, dass ein Prozess beim Revolutionsgericht vorbereitet werde. Die beiden Christen befinden sich im Dastgerd-Gefängnis in Isfahan. Die IGFM sieht das Vorgehen der iranischen Behörden ausschließlich im christlichen Glauben des Ehepaares begründet, da es sich politisch nicht betätige. Das Paar habe lediglich die ihm zustehenden Menschenrechte auf Meinungs- und Religionsfreiheit ausgeübt. Der Iran hat den rechtsverbindlichen „Internationalen Pakt über bürgerliche und politische Rechte“ ratifiziert, der Religionsfreiheit garantiert. Die IGFM ruft dazu auf, in Briefen an das iranische Staatsoberhaupt Ayatollah Sayed Ali Khamenei die sofortige Freilassung es Ehepaars zu fordern >>>Download Musterbrief mit Adressen

Quelle: IGFM/Idea

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Textheft zur Pfingstnovene 2010

Für die Novene in 2010 (14. bis 22. Mai) steht jetzt ein aktualisiertes Textheft zum Download bereit. Für jeden der neun Tage bis einschließlich Pfingstsamstag gibt es einen Thematischen Schwerpunkt:

Wir beten für:

  • die aktuelle Situation in der Kirche: Der Mißbrauch und die Folgen
  • die Neuausgiessung des Heiligen Geistes in unserer Kirche und unserem persönlichen Leben
  • für das Gelingen des Dialogs mit anderen Religionen
  • für die Einheit der Kirche

Wir sind solidarisch

  • mit den Armen, Flüchtlingen und allen Notleidenden
  • mit den verfolgten Christen in vielen Ländern

Wir sagen JA

  • zu Ehe und Familie nach Gottes Bild
  • zum Lebensrecht der Ungeborenen
  • zu den Anliegen der Weltkirche

Die Vorlage kann für das Beten zu Hause verwendet werden, aber auch für die Gestaltung einer Gebetsstunde in der Kirche. >>>Download Textheft

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Beten für die Erneuerung und Einheit der Kirche

Ökumenischer Kirchentag: eine vertane Chance!

Unter diesem Titel veröffentlichten das Forum Deutscher Katholiken und die Internationale Konferenz Bekennender Gemeinschaften am 11. April 2010 folgenden offenen Brief: “Mit großer Besorgnis nehmen wir zur Kenntnis, dass das offizielle Programm des Ökumenischen Kirchentages in München 28 Veranstaltungen von “Schwulen, Lesben, Bisexuellen und Transgendern” enthält.

Diese Veranstaltungen beschäftigen sich mit Menschen, die sich auf ihre sexuellen Probleme konzentrieren und oft in schriller Weise Gottes Wort und die Lehre der Kirche missachten. Dabei bringen sie doch mit ihren lautstarken, aggressiven Wortführern nicht einmal die eigenen Reihen hinter sich.

Homosexuelle beiderlei Geschlechtes und auch Bisexuelle können sich wie alle Teilnehmer in den Diskussionsgruppen einbringen, ohne diskriminiert zu werden. Ihre Privilegierung durch eine große Zahl eigener Veranstaltungen ist jedoch ungerechtfertigt. Ja, sie bedeutet in solcher Massierung besonders für junge Menschen auf ihrer Suche nach Sinn und innerem Halt sogar eine Fehlorientierung.

In unserer für die Kirchen so schweren Zeit, in der der Mangel an geistlichem Leben und an biblischer Orientierung bei vielen Amtsträgern und Gläubigen täglich dramatisch zutage tritt, sollte dieser Kirchentag entschieden zu den geistlichen Quellen aus Hl. Schrift und Tradition und zu einem mächtigen missionarischen Bekenntnis kommen, das der Welt von Jesus Christus Zeugnis gibt.

Wir protestieren deswegen gegen ein Programm, das Formen von schöpfungswidriger Sexualität privilegiert und das auch aus Kirchensteuern, d.h. mit dem Geld aller Gläubigen finanziert wird. Gegen eine solche Vereinnahmung verwahren wir uns.

Ein Ökumenischer Kirchentag mit einem derartig fragwürdigen Programm ist – obwohl er von den Bischöfen beider Konfessionen unterstützt wird – kein Zeichen eines gemeinsamen Zeugnisses in der Welt. Er verliert stattdessen seinen missionarischen Charakter. Auf dem Weg zu einer sichtbaren Einheit der Christen ist dieser Kirchentag kein Fortschritt, sondern ein Rückschritt, den wir nur bedauern können.

Forum Deutscher Katholiken 11.April 2010
Prof. Dr. Hubert Gindert

Internationale Konferenz Bekennender Gemeinschaften
Prof. Dr. Peter Beyerhaus, Ulrich Rüß

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Der Mauerfall – auch in uns

Anläßlich des Mauerfalls an der deutsch-deutschen Grenze vor 20 Jahren könnten wir singen: ,,Großer Gott wir loben dich“, „Nun danket alle Gott“, „Wer meiner Kraft vertraut, wird meine Wunder sehn.“

Gebet: Dreifaltiger Gott, die Menschen der Welt sehen im Fall der Mauer vor 20 Jahren nur das Zusammentreffen und das Ergebnis günstiger politischer Konstellationen. Wir aber sehen tiefer und erkennen darin dein Wirken. Wir danken dir und preisen dich.

Unsere Gedanken gehen heute auch zu den Mauern, hinter denen unendlich gelitten wird, die Menschen ihrer Freiheit berauben, weil sie an dich glauben; die Folterungen verbergen, die in Verzweiflung stürzen, zu den Mauern, die begraben, die Menschen voneinander trennen und Land zerstückeln.

Wir wissen auch um die Mauern in uns.

Herr, lass uns an die verändernde Kraft des Gebetes glauben, damit die Mauern in uns und um uns herum keine Zukunft haben und wir mit dem Psalmisten rufen können:  “Mit dir erstürme ich Wälle, in meinem Gott überspringe ich Mauern”.

Die Mauern werden fallen, wenn die Trompeten von Jericho neu erschallen, Gnade uns Gott, um welchen Preis.

Heinrich Mussinghoff, Bischof von Aachen

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Mit Jesus wird es gelingen

Der Versuchung zur Sünde ist jeder ausgesetzt. Man spricht auch wieder von ‘Sünde’, zum Beispiel im Zusammenhang mit dem Bankenskandal; dem Nachrichtenmagazin “Der Spiegel” war das Thema “Sünde” ein Leitartikel wert: “Triumph der Sünde – von Wollust, Habgier und anderen Versuchungen” (Ausgabe Nr. 7 vom 13.02.2010). Der Publizist Matthias Matussek berichtet über die sieben Hauptsünden, analog dem “Katechismus der katholischen Kirche”, § 1866: Stolz, Habsucht, Neid, Zorn, Unkeuschheit, Unmäßigkeit, Trägheit oder Überdruß. Als Hauptsünden werden sie deshalb bezeichnet, weil sie weitere Laster erzeugen.

Matussek verwendet folgende Begriffe: Superbia: Hochmut und Eitelkeit; Avarita: Habgier und Geiz; Luxuria: Wollust und Genusssucht; Ira: Zorn und Rachsucht; Gula: Völlerei und Maßlosigkeit; Invidia: Neid und Mißgunst; Acedia: Trägheit des Herzens. – Er bringt für alle Hauptsünden aktuelle Beispiele. Am Ende seines Beitrags sagt er, was Schuld bedeutet und der Ausweg nur Reue und Vergebung sein kann:

“Schuld bedeutet die Verletzung einer kosmischen Ur-Ordnung, wie sie sich in der Genesis-Erzählung vom Garten Eden spiegelt. Im Chaos nach der Vertreibung sollten religiöse Grundregeln Identität schaffen. Ihr Bruch, also die Sündenerfahrung, erzeugt Selbstzweifel, Angst, Scham. Die Psalmen sind voll davon.

Mit der Menschwerdung Gottes in Jesus ändert sich die Lage. Im Römerbrief konzentriert sich Paulus ganz auf die Schuldfrage. Die neue Freiheit wird nicht mehr von der Gemeinschaft und der Tora gestiftet, sondern durch das vorbehaltlose Vertrauen in Jesus und seine Auferstehung. Sehr viel später wird der protestantische Existenzphilosoph Sören Kierkegaard diesen Gedanken aufnehmen. Aus der Verzweiflung über die Sünde und der Angst heraus hilft nur der „Sprung” zu Gott. Der Weg aus der Schuld läuft allein über tiefempfundene Reue. Selbst unsere Rechtsprechung mag darauf nicht verzichten, ein reuiger Angeklagter kann mit Strafmilderung rechnen. Wie viel mehr gilt das für das letzte Gericht! Die Protestanten bekennen ihre Schuld kollektiv, vor der ganzen Gemeinde. Für Katholiken bietet sich der Beichtstuhl als Ort göttlicher Vergebung an. Die Stille, das Holzgitter, das Murmeln des Priesters, der nach einigem Nachfragen - Präzision ist wichtig - sein „Ego te absolvo” spricht. „Welchen ihr die Sünden erlasst, denen sind sie erlassen”, sagte Jesus seinen Jüngern. Das alles in der Intimität der Ohrenbeichte, als persönliches Geheimnis, fernab vom Geständnistrubel bei Facebook.”  -

Jesus selbst wurde in Versuchung geführt. Was können wir daraus lernen? -Auszug aus einer Ansprache von Benedikt XVI. beim Angelus am 21.02.2010:

Der heilige Evangelist Lukas berichtet, dass Jesus, nachdem er von Johannes die Taufe empfangen hatte, „erfüllt vom Heiligen Geist, die Jordangegend verließ. Darauf führte ihn der Geist vierzig Tage lang in der Wüste umher, und dabei wurde Jesus vom Teufel in Versuchung geführt“ (vgl. Lk 4,1–2).

Hier wird ganz offensichtlich auf der Tatsache bestanden, dass die Versuchungen kein zufälliges Ereignis waren, sondern eine Folge der Entscheidung Jesu, dem Auftrag zu folgen, den der Vater ihm anvertraut hatte, bis zum äußersten als der geliebte Sohn zu leben, der vollkommen auf Ihn vertraut.

Christus ist in die Welt gekommen, um uns von der Sünde und von dem zweifelhaften Reiz zu befreien, unser Leben unabhängig von Gott zu entwerfen. Er hat das nicht mit hochtönenden Erklärungen getan, sondern indem er persönlich gegen den Versucher kämpfte, bis hin zum Kreuz. Dieses Beispiel gilt für alle: Die Welt wird besser, indem man bei sich selbst anfängt, indem man mit der Gnade des Herrn das ändert, was im eigenen Leben nicht gut ist.

Von den drei Versuchungen, denen Jesus durch den Satan ausgesetzt wird, ist die erste auf den Hunger zurückzuführen, also auf das materielle Bedürfnis: „Wenn du Gottes Sohn bist, so befiehl diesem Stein, zu Brot zu werden“. Doch Jesus antwortet mit der Heiligen Schrift: „Der Mensch lebt nicht nur von Brot“ (Lk 4,3–4; vgl. Dt 8,3). Dann zeigt der Teufel Jesus alle Reiche der Erde und sagt: Das wird alles dir gehören, wen du dich vor mir niederwirfst und mich anbetest.

Es handelt sich um den Trug der Macht, und Jesus entlarvt diesen Versuch und weist ihn zurück: „Vor dem Herrn, deinem Gott, sollst du dich niederwerfen und ihm allein dienen“ (vgl. Lk 4,5–8; Dt 6,13).

Nicht Verehrung der Macht, sondern nur Verehrung Gottes, der Wahrheit und der Liebe. Schließlich schlägt der Versucher Jesus vor, ein aufsehenerregendes Wunder zu wirken: sich oben vom Tempel hinabstürzen und sich von den Engeln retten zu lassen, so dass alle an Ihn geglaubt hätten.

Doch Jesus antwortet ihm, dass Gott niemals auf die Probe gestellt wird (vgl. Dt 6,16). Wir können kein „Experiment machen“, auf das Gott reagieren und sich als Gott zeigen soll: Wir müssen an Ihn glauben!

Wir dürfen Gott nicht zum „Material unseres Experiments“ machen! Immer mit dem Bezug auf die Heilige Schrift stellt Jesus den menschlichen Kriterien das einzig wahre Kriterium voran: den Gehorsam, die Übereinstimmung mit dem Willen Gottes, der das Fundament unseres Seins ist. Auch das ist eine grundlegende Lehre für uns: Wenn wir das Wort Gottes in unseren Gedanken und in unserem Herzen tragen, wenn es in unser Leben eintritt, wenn wir auf Gott vertrauen, dann können wir jede Art von Irreführung durch den Versucher zurückweisen. Des Weiteren geht aus der ganzen Erzählung klar das Bild Christi als des neuen Adam hervor, demütiger Sohn Gottes und gehorsam gegenüber dem Vater, im Unterschied zu Adam und Eva, die im Garten Eden der Verführung durch den Geist des Bösen nachgegeben hatten, unsterblich zu sein, ohne Gott.

Die Fastenzeit ist wie ein langer „Rückzug“, währenddessen man in sich selbst einkehrt und die Stimme Gottes hört, um die Versuchungen des Teufels zu besiegen und die Wahrheit unseres Daseins zu finden. Eine Zeit, so können wir sagen, des geistlichen „Kampfes“, der gemeinsam mit Jesus gelebt werden muss, nicht stolz und anmaßend, sondern indem man die Waffen des Glaubens benutzt, also das Gebet, das Hören auf das Wort Gottes und die Buße. Auf diese Weise wird es uns gelingen können, wahrhaft Ostern zu feiern, bereit, unser Taufversprechen zu erneuern. – HJE

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Nigeria: Zeit für ein Gebet

Es gibt für alles eine Zeit.

Es gibt eine Zeit, die Phänomenologie der christliche Existenz zu bedenken. Es gibt eine Zeit, diese christliche Existenz zu schützen und für sie Partei zu ergreifen, die Stimme zu erheben, so laut und deutlich es geht.

Es gibt eine Zeit für die wissenschaftliche Untersuchung ethno-religiöser Konflikte und deren wirtschaftliche, politische und soziale Implikationen. Eine Zeit, das komplexe Geflecht an Einflussfaktoren in der Lebenswelt zwischen Nigerias islamischem Norden und christlichem Süden zu entwirren.

Es gibt eine Zeit für Recherchen und Diskursanalysen. Eine Zeit für Vergleiche zwischen Bibel und Koran. Für den Streit um die richtige Deutung der Schrift. Für Zahlenspiele. Für Fakten und Fiktionen. Für schwarz und weiß. Für Geschichte. Und für Gegenwart. Für Versuche, auf die vielen offenen Fragen in der Berichterstattung deutscher Medien im Kontext der Ereignisse in Nigeria Antworten zu finden.

Es gibt eine Zeit für Spekulationen über die Ursachen, Gründe und Anlässe der neuerlichen Gewalt in Nigeria, der mehr als 500 Christen zum Opfer fielen.

Und, ja: Es gibt eine Zeit des Zorns und der Schuldzuweisung.

Es gibt eine Zeit für die Frage, ob die Quelle solcher Gewalt mit Religion, einer bestimmten Religion oder einer bestimmten Weise, eine bestimmte Religion zu leben, in Verbindung gebracht werden kann. Eine Zeit, den Begriff „Fundamentalismus“ zu bestimmen. Eine Zeit, sich über die Shari’a zu informieren. Meinetwegen auch eine Zeit, an die Kreuzzüge und die Hexenverbrennung zu erinnern, derenthalben man sich als Christ über Ereignisse wie das vom letzten Sonntag erstens nicht zu wundern und zweitens nicht zu beschweren brauche. Eine Zeit, die Frage zu stellen, was Christen überhaupt in Afrika zu suchen haben.

Es mag gar eine Zeit geben, vom Papst Rechenschaft in der Sache zu verlangen.

Es gibt eine Zeit, die Behauptung zu wagen, es geschehe den Christen schon ganz recht, denn so ganz grundlos werde der Übergriff schon nicht gewesen sein. Eine Zeit, diesen Grund nicht im Expansionsstreben des islamischen Nordens zu vermuten, sondern im Unwillen des christlichen Südens, sich erobern zu lassen. Eine Zeit, diesen Übergriff als „Unruhe“, „Kampf“ oder „Zusammenstoß“ zu bezeichnen. Eine Zeit, mal eben zu vergessen, dass Christen zu über 90% Opfer und zu unter 1% Täter religiös motivierter Gewalt sind.

Es gibt eine Zeit, sich zu überlegen, woher solche Haltungen kommen, die Ungleiches gleich, die Opfer zu Tätern machen. Und wohin solche Haltungen führen. Und was man ihnen entgegnen kann.

Für all das gibt es eine Zeit. Es darf, kann und wird sie geben.

Jetzt aber gibt es erst einmal eine Zeit der Trauer.

Und eine Zeit des Gebets.

Mit der Bitte um Gnade, Umkehr und Vergebung für die Täter.

Mit der Bitte um Trost, Kraft und Vertrauen für die Hinterbliebenen.

Mit der Bitte um das ewige Seelenheil für die Opfer.

Josef Bordat

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